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FORUM FÜR AUSLÄNDISCHE ÄRZTE IN DEUTSCHLAND

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Wir brauchen unter den Ärzten dringend mehr Migranten,
da ist auch die Politik gefragt - es bedarf eines strukturierten Einwanderungsgesetzes!

Die Migration ausländischer Ärzte ist für das deutsche Gesundheitswesen ebenso unverzichtbar, wie die Migration von Pflegekräften für die Betreuung von Senioren. Das DEUTSCHE ÄRZTEBLATT berichtete bereits im April 2016 darüber; unter dem Link „Wir brauchen unter den Ärzten dringend mehr Migranten, da ist auch die Politik gefragt“ ist dies nachzulesen.

Jüngst erschien auch ein Artikel in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN: Integration als Pflicht, Einwanderung als Wunsch
Es wird u.a. deutlich gemacht, dass wir ein Einwanderungsgetzt benötigen (Auszug): "Denn das würde Kriterien beschreiben, wie Fachkräfte, die wir in Deutschland brauchen, einwandern können. Das wären etwa Ärzte, Ingenieure, Naturwissenschaftler, IT-Spezialisten und manche Facharbeiter. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren schon viel dafür getan, damit solche Kräfte aus dem Ausland zuwandern können, um in den Mängelberufen zu arbeiten. Wer in diesen Berufen einen Job sucht, kann bis zu sechs Monate nach Deutschland kommen." - Für den gesamten Artikel klicken Sie hier.

Ein anderer Artikel des DEUTSCHEN ÄRZTEBLATTES beschreibt die Notwendigkeit der Mehrsprachigkeit von niedergelassenen Ärzten in dem Artikel Niedergelassene Ärzte mit Sprachkenntnissen sind die erste Anlaufstelle. Auf allen Ebenen besteht endloser Handlungsbedarf; Ärzte aus dem Ausland sind sicher nicht die Lösung aller Probleme, aber Sie sind ein wichtiger und notwendiger Teil der Lösung!

 

 

Köln – Im vergangenen Jahr sind mehr als eine Million Menschen aus politischen und wirtschaftlichen Krisenregionen nach Deutschland gekommen. Der Bedarf an qualifizierten Ärzten, die die Migranten ohne größere Sprachbarrieren untersuchen können, ist nicht gedeckt. Darauf weisen Ergebnisse einer Umfrage hin, die die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) unter ihren Mitgliedern gemacht hat.

Um Ärzte aus Flüchtlingsgebieten in die medizinische Versorgung integrieren zu können, müssten Arbeitsmöglichkeiten für sie an Lehrkrankenhäusern und Universitätskliniken geschaffen werden. Über dieses Thema wird bei der 122. Jahrestagung der DGIM diskutiert, die gstern in Mannheim begann. Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie des Universitätsklinkums Leipzig, sieht eine Lösung der aktuellen Probleme nur mit Hilfe der Politik.

Joachim Mössner

Fünf Fragen an Prof. Dr. med. Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Leipzig

DÄ: Herr Professor Mössner, beim 122. Internisten­kongress in Mannheim werden Sie eine Diskussion darüber anregen, wie Migranten, die ausgebildete Ärzte sind, in die medizinische Versorgung integriert werden können. Warum das Thema?
Mössner: Eine Umfrage unter den Mitglie­dern der DGIM hat ergeben, dass Internisten sehr häufig die ersten ärztlichen Ansprechpartner für Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten sind, aber eine gute klinische Anmanese und Beratung des Patienten schwierig ist: wegen Sprachbarrieren und zum Teil auch wegen kultureller Unterschiede. Das wichtigste Instrument des Arztes aber ist die Kommu­nikation. Sie macht eine erfolgreiche und sichere Therapie erst möglich. Wenn wir Migranten künftig in einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung versorgen möchten, müssen wir Ärzte, die zum Beispiel fließend Arabisch sprechen, in die medizinische Versorgung in Deutschland integrieren.

DÄ: Woran fehlt es, haben Sie nicht genügend Kandidaten?
Mössner: Es liegt nicht an mangelnden Angeboten. Ich erhalte viel zu viele Bewer­bungen von Migranten, im Durchschnitt eine Anfrage pro Tag. Ebenso wie viele andere Kollegen bin ich grundsätzlich gern bereit, eine Ärztin oder einen Arzt aus Krisen­gebieten vorübergehend oder längerfristig zu beschäftigen. Aber die Gespräche mit den Kandidaten sind zeitaufwendig, und bevor ich eine Beschäftigung überhaupt in Aussicht stellen darf, müssen die Bewerbungsunterlagen geprüft sein. Dafür sind die Landes­behörden zuständig.

Weil die Prüfung wiederum die Behörden viel Zeit kostet, möchten sie gern vorher wissen, ob eine Beschäftigung erfolgen wird. Eine Zusage aber kann ich nicht machen, ohne orientiert zu sein, ob die formalen Voraussetzungen überhaupt erfüllt sind. Eine Hospitation ohne Honorar wird am Klinikum als inadäquat gesehen. So entsteht eine paradoxe Situation, aus der herauszukommen fast nicht möglich ist.

DÄ: Haben Sie Lösungsvorschläge?
Mössner: Im Moment ist es so, dass eine Klinik einen wirtschaftlichen Nachteil hätte, wenn sie angesichts des hohen Arbeits- und Zeitdrucks Kolleginnen oder Kollegen einstellen würde, die schlecht Deutsch sprechen oder weniger qualifiziert sind als andere Bewerber. Es müsste einen Extratopf geben an Hochschulen und Lehr­krankenhäusern für Ärzte, die Migranten sind. Ein mögliches Modell wäre zum Beispiel, zwei Ärzte teilen sich eine Stelle. Eine Hälfte des Gehaltes finanziert der Staat, die andere die Klinik. Für eine Lösung des Problems ist daher auch die Politik gefragt.

DÄ: Warum ist Integration von Medizinern, die Migranten sind, für die Ärzteschaft wichtig?
Mössner: Das Interesse der Ärzteschaft daran ist vom Interesse der Gesellschaft nicht zu trennen. Mein Interesse als Hochschulmediziner zum Beispiel ist, dass wir das Potenzial der Migranten für den Nachwuchs nutzen. Ziel muss sein, den Migranten das gleiche Spektrum an Aus- und Weiterbildung anzubieten wie Menschen, die aus Deutschland stammen oder schon länger hier leben.

Wir benötigen Migranten als Hausärzte, als Fachärzte, als Hochschullehrer, die forschen und lehren. Es geht um Nachwuchs für die medizinische Wissenschaft, aber auch für die Gesundheitsversorgung in der Fläche und für Behörden wie Gesundheitsämter oder Institutionen wie den Ärztekammern, die auf regionaler Ebene daran mitwirken, dass spezifisch qualifizierte Ärzte für die Versorgung zur Verfügung stehen. Es ist außerdem im Interesse des Patienten, aber auch der Öffentlichkeit, dass zum Beispiel bestimmte, bei uns vergleichsweise seltene infektiöse Erkrankungen erkannt werden. Das erfordert Ausbildung, Erfahrung, Kommunikation.

DÄ: Sehen Sie denn Defizite bei der Gesundheitsversorgung von Migranten?
Mössner: Es gibt derzeit keine validen Zahlen zur Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen, die bräuchten wir dringend. Aber es gibt Strukturprobleme, die die Bevölkerung allgemein betreffen und besonders Migranten. Sie könnten sich künftig noch verschärfen.

Nehmen Sie den Fachärztemangel oder den Mangel an hausärztlich tätigen Kollegen, die vor allem in ländlichen Regionen schon jetzt Probleme haben, die zunehmend älter werdenden, multimorbiden Patienten gut zu versorgen. Wenn sie Migranten behandeln, müssen sie unter Umständen vorher klären, wofür im Einzelfall überhaupt die Kosten übernommen werden.

Zusätzlich gibt es Sprachschwierigkeiten. Dass das für einen normalen Kassenarzt mit vollem Wartezimmer und langer Anmeldungsliste schwierig ist, liegt auf der Hand. Umgekehrt haben wir hier in Leipzig gute Erfahrungen gemacht mit Ärzten, die die Sprache der Migranten sprechen und die wissen, was sie bei unterschiedlichem Aufenthaltsstatus den Patienten anbieten können. © nsi/aerzteblatt.de

Integration als Pflicht, Einwanderung als Wunsch

Das Integrationsgesetz ist für Menschen gedacht, die wir aufgenommen, aber die wir uns nicht ausgesucht haben. Das ist auch der Unterschied zu einem Einwanderungsgesetz.
28.05.2016, von Markus Wehner

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Provisorische Asylbewerber-Unterkunft in Turnhalle
© dpa
Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern sollen in Deutschland integriert werden.

Deutschland wird bald ein Integrationsgesetz haben. Die Bundesregierung hat sich nach wochenlangem Streit darauf geeinigt. CDU und CSU setzten dabei vor allem auf die Integrationspflicht, die Sozialdemokraten darauf, dass es mehr Angebote und Förderung geben müsse. Herausgekommen ist ein Bündel an Maßnahmen, das nach dem Motto „Fördern und fordern“ beide Ansätze verbindet. So soll das bisher unzureichende Angebot an Sprach- und Integrationskursen verzehnfacht werden, von bisher 20.000 auf 200.000. Auf dem Arbeitsmarkt sollen 100.000 zusätzliche Ein-Euro-Jobs aus Bundesmitteln für Asylbewerber geschaffen werden. Und wer eine Ausbildung beginnt, hat auch als „Geduldeter“, das heißt als noch nicht anerkannter Asylbewerber, die Garantie, für diese Zeit bleiben zu können. Findet er danach einen Job, gilt das für weitere zwei Jahre.

Markus Wehner Autor: Markus Wehner, Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin. Folgen:

Die Vorrangprüfung, nach der zunächst nach Möglichkeit einem Deutschen oder einem EU-Bürger ein Arbeitsplatz vermittelt werden muss, kann in Regionen mit geringer Arbeitslosigkeit ausgesetzt werden. Das soll helfen, lange bürokratische Prozeduren bis zur Arbeitsaufnahme zu verhindern. Zugleich droht demjenigen, der etwa Integrations- oder Sprachkurse nicht besucht oder abbricht, eine Einschränkung der Leistungen. Die Bundesländer können Asylbewerbern zudem für drei Jahre einen Wohnsitz zuweisen, was eine zu starke Konzentration in einer Stadt oder einem Ort verhindern soll. Anerkannte Flüchtlinge, die alle Integrationsleistungen erbringen, sollen hingegen mit einer unbefristeten Niederlassungserlaubnis belohnt werden.

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Ist dieses Gesetz nun ein halbes Einwanderungsgesetz oder immerhin ein erster Schritt dazu, wie es der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gesagt hat? Nein, das ist es gerade nicht. Denn das Integrationsgesetz ist eine Reaktion auf die große Zahl an Flüchtlingen, die Deutschland im vergangenen Jahr aufgenommen hat. Es sind Hunderttausende Menschen, von denen wir annehmen, dass ihre Integration schwierig sein wird. Denn vielen von ihnen fehlen nicht nur Sprachkenntnisse, sondern oft auch Bildung und Ausbildung sowie ein Verständnis für unsere Werte und Kultur.
Mangelberufe sollen besetzt werden

Aus der Erfahrung, dass Integration eben nicht von selbst gelingt, ist dieses Gesetz beschlossen worden. Es ist der Erfahrung in Deutschland, aber noch mehr in anderen Ländern, etwa Frankreich, geschuldet, dass es ohne eine aktive Integrationspolitik zu Parallelgesellschaften und Gettobildung kommt. Es ist für Menschen gedacht, die wir aufgenommen, aber die wir uns nicht ausgesucht haben.
Der Entwurf für das Integrationsgesetz

Sprach- und Integrationskurse
Dauerhafte Niederlassungsfreiheit
Wohnsitzauflage
Gemeinnützige Arbeit
Aufenthaltsrecht für „Geduldete“
Aussetzung der „Vorrangprüfung“


Genau hier liegt der Unterschied zu einem Einwanderungsgesetz. Denn das würde Kriterien beschreiben, wie Fachkräfte, die wir in Deutschland brauchen, einwandern können. Das wären etwa Ärzte, Ingenieure, Naturwissenschaftler, IT-Spezialisten und manche Facharbeiter. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren schon viel dafür getan, damit solche Kräfte aus dem Ausland zuwandern können, um in den Mängelberufen zu arbeiten. Wer in diesen Berufen einen Job sucht, kann bis zu sechs Monate nach Deutschland kommen. Er kann, wenn er einen Arbeitsplatz hat, auch seine Familie mitbringen.
Problematisch sind Berufsabschlüsse

Die Regelungen sind eigentlich so effizient, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Teile der CDU sagen, ein Einwanderungsgesetz sei gar nicht nötig. Aber dennoch ist Deutschland kein Wunschland für viele Fachkräfte, die wir brauchen oder brauchen werden. Das liegt auch an der Sprache. Natürlich gehen IT-Fachkräfte aus Asien eher in ein englischsprachiges Land als nach Deutschland. Aber Deutsch ist nicht das einzige Problem. In vielen Branchen wird auch hierzulande ohnehin schon hauptsächlich Englisch gesprochen. Ein weiteres Problem sind Berufsabschlüsse aus dem Ausland, die hier oft nicht anerkannt werden. Auf diesem Feld ist schon einiges verbessert worden, aber oft stoßen ausländische Arbeitssuchende weiter auf unnötige Hindernisse.

Der Hauptpunkt aber ist, dass es Deutschland an einer Einwanderungskultur fehlt, wie sie klassische Einwanderungsländer haben – hier werden gern Kanada oder Australien genannt. Viele der Möglichkeiten, die es in Deutschland gibt, sind bisher im Ausland wenig bekannt. Und mit der Werbung für Einwanderung tun wir uns schwer, erst recht in einer Zeit, in der wir ohnehin mit einem Zuzug Niedergelassene Ärzte mit Sprachkenntnissen sind die erste Anlaufstelle
Forscher haben den Zugang von Migranten zum Gesundheitssystem untersucht – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen: Nicht Notfallambulanzen, sondern Praxen sind erste Ansprechpartner. Muttersprachler und englisch-sprechende Ärzte sind besonders gefragt.
Von Julia Frisch
Sprachbarriere: Vielerorts helfen Dolmetscher oder private Begleiter bei der Arzt-Patienten-Kommunikation.
© Wolfram Kastl / dpa / picture
Patienten mit Migrationshintergrund benötigen Gesundheitslotsen, Ärzte mehr interkulturelle Kompetenz. Nur so, lautet die Folgerung aus der zweiten Berliner Migrantenstudie, bestehe die Chance, diese Menschen ins Gesundheitswesen zu integrieren und später hohe Folgekosten zu vermeiden.
Im Unterschied zur ersten Migrantenstudie aus dem Jahr 2015 lag das Interesse der Forscher des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost diesmal nicht nur auf Zuwanderern, die in jüngerer Zeit nach Deutschland gekommen sind. Für die zweite Untersuchung wurde auch die Versorgungsentwicklung der türkischen Einwanderer betrachtet – und zwar aufgeteilt nach der ersten, zweiten und dritten Generation.
63 Prozent: "Keine Probleme im Gesundheitswesen"
Ein Interessenschwerpunkt, den die Forscher verfolgten, war nichtsdestotrotz: Wie finden sich die Flüchtlinge, die seit 2014 ihr Heimatland verließen und jetzt in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leben, im hiesigen Gesundheitswesen zurecht? 109 Migranten, hauptsächlich aus Syrien und mehrheitlich erst seit 2015 in Deutschland, wurden dazu in Berlin befragt. Rund 85 % der Teilnehmer hatten schon erste Erfahrungen mit Gesundheitseinrichtungen gemacht. Als häufigste Anlaufstelle im Krankheitsfall wurden niedergelassene Ärzte und Zahnärzte genannt, interessanterweise vor Apotheken und Krankenhäusern.
Für ein adäquates Arztgespräch sahen sich die Flüchtlinge allerdings noch nicht gerüstet, dafür seien ihre Deutschkenntnisse zu schlecht, fanden 93 % der Teilnehmer. Sie versuchen deshalb, muttersprachliche Ärzte aufzusuchen oder einen Begleiter mit Deutschkenntnissen zum Praxisbesuch mitzunehmen.
In den Augen der Flüchtlinge funktioniert das offenbar ganz gut: 63 % der Befragten gaben an, noch keine Probleme im Umgang mit dem Gesundheitswesen gehabt zu haben. Das lag daran, dass 27 % bei einem Landsmann in Behandlung waren, 23 % sich begleiten ließen und der Rest mit Englisch gut weiterkam.
22 % der befragten Migranten berichteten jedoch von Problemen: 10 % verstanden die Ratschläge des Arztes nicht, 5 % interpretierten sie falsch und in 5% der Fälle hatte der Doktor den Patienten nicht verstanden.
Für die Studie wurden auch die Routinedaten von 18.000 syrischen Flüchtlingen mit Daten von AOK-Versicherten ohne Migrationshintergrund verglichen. Das Ergebnis: Die Leistungsinanspruchnahme der Asylbewerber liegt derzeit in allen Bereichen, auch in der Psychiatrie, deutlich unter der Referenzpopulation.
Die Tatsache, dass syrische Flüchtlinge im Krankheitsfall Rat und Hilfe zu allererst bei Muttersprachlern suchen, die schon länger in Deutschland sind, ist für GeWINO-Geschäftsführer Professor Thomas P. Zahn ein wichtiges Signal: In den jeweiligen "Communities" müssten Landsleute gefunden werden, die sich qualifizieren und dann als Gesundheitslotsen die Aufgabe übernehmen, die Flüchtlinge an die Hand zu nehmen und den Weg durchs System zu weisen, sie etwa auf Präventionsangebote hinweisen.
Lotsen aus dem gleichen Kulturkreis
Das gleiche Prinzip gelte für die türkischen Einwanderer der ersten und zweiten Generation. Auch sie benötigten mehr Hilfe durch Landsleute. Bei der ersten Generation der heute im Schnitt 70-Jährigen fällt auf, dass die Pflegebedürftigen vor allem zu Hause durch Angehörige versorgt werden, ambulante Pflegedienste oder Tages- und Kurzzeitpflege kaum in Anspruch genommen werden.
Auch hier, so Zahn, müsste es Lotsen aus dem gleichen Kulturkreis geben, welche die Angehörigen über Entlastungsmöglichkeiten aufklären. Auch Präventionsangebote könnten auf diese Weise besser bekannt gemacht werden. Das sei etwa für die Türken der zweiten Generation, den heute 30- bis 60-Jährigen, wichtig. Sie nehmen mehr GKV-Leistungen in Anspruch als die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund.
Einen zweiten Baustein zur Integration ins Gesundheitswesen sehen die Studienautoren auch darin, Beschäftigten im Gesundheitsbereich mehr interkulturelle Kompetenz zu verschaffen. "Ärzte müssen in der Lage sein, mit der besonderen Lage bei Flüchtlingen umzugehen", sagt GeWINO-Geschäftsführer Zahn. Das gelte besonders in Gegenden, in denen Flüchtlinge nicht wie etwa in Berlin auf muttersprachliche Ärzte zurückgreifen können.
Die Studienautoren empfehlen, bei den neuen Zuwanderern nicht die gleichen Fehler zu machen wie bei den türkischen Migranten. Bei ihnen sei die Integration ins Gesundheitswesen erst in der dritten Generation gelungen. Erst in dieser Altersgruppe sei die Leistungsinanspruchnahme etwa gleich hoch wie bei den Nichtmigranten.
"Wenn die Integration der syrischen Zuwanderer nicht oder deutlich zeitverzögert gelingt, ist mit erheblichen Mehrkosten im Gesundheitswesen in den nächsten 20 Jahren und im Alter zu rechnen", heißt es in der Studie.
Das GeWINO kooperierte mit dem bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg und mit der bbw Hochschule Berlin.
Niedergelassene Ärzte mit Sprachkenntnissen sind die erste Anlaufstelle
Forscher haben den Zugang von Migranten zum Gesundheitssystem untersucht – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen: Nicht Notfallambulanzen, sondern Praxen sind erste Ansprechpartner. Muttersprachler und englisch-sprechende Ärzte sind besonders gefragt.
Von Julia Frisch
Sprachbarriere: Vielerorts helfen Dolmetscher oder private Begleiter bei der Arzt-Patienten-Kommunikation.
© Wolfram Kastl / dpa / picture
Patienten mit Migrationshintergrund benötigen Gesundheitslotsen, Ärzte mehr interkulturelle Kompetenz. Nur so, lautet die Folgerung aus der zweiten Berliner Migrantenstudie, bestehe die Chance, diese Menschen ins Gesundheitswesen zu integrieren und später hohe Folgekosten zu vermeiden.
Im Unterschied zur ersten Migrantenstudie aus dem Jahr 2015 lag das Interesse der Forscher des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost diesmal nicht nur auf Zuwanderern, die in jüngerer Zeit nach Deutschland gekommen sind. Für die zweite Untersuchung wurde auch die Versorgungsentwicklung der türkischen Einwanderer betrachtet – und zwar aufgeteilt nach der ersten, zweiten und dritten Generation.
63 Prozent: "Keine Probleme im Gesundheitswesen"
Ein Interessenschwerpunkt, den die Forscher verfolgten, war nichtsdestotrotz: Wie finden sich die Flüchtlinge, die seit 2014 ihr Heimatland verließen und jetzt in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leben, im hiesigen Gesundheitswesen zurecht? 109 Migranten, hauptsächlich aus Syrien und mehrheitlich erst seit 2015 in Deutschland, wurden dazu in Berlin befragt. Rund 85 % der Teilnehmer hatten schon erste Erfahrungen mit Gesundheitseinrichtungen gemacht. Als häufigste Anlaufstelle im Krankheitsfall wurden niedergelassene Ärzte und Zahnärzte genannt, interessanterweise vor Apotheken und Krankenhäusern.
Für ein adäquates Arztgespräch sahen sich die Flüchtlinge allerdings noch nicht gerüstet, dafür seien ihre Deutschkenntnisse zu schlecht, fanden 93 % der Teilnehmer. Sie versuchen deshalb, muttersprachliche Ärzte aufzusuchen oder einen Begleiter mit Deutschkenntnissen zum Praxisbesuch mitzunehmen.
In den Augen der Flüchtlinge funktioniert das offenbar ganz gut: 63 % der Befragten gaben an, noch keine Probleme im Umgang mit dem Gesundheitswesen gehabt zu haben. Das lag daran, dass 27 % bei einem Landsmann in Behandlung waren, 23 % sich begleiten ließen und der Rest mit Englisch gut weiterkam.
22 % der befragten Migranten berichteten jedoch von Problemen: 10 % verstanden die Ratschläge des Arztes nicht, 5 % interpretierten sie falsch und in 5% der Fälle hatte der Doktor den Patienten nicht verstanden.
Für die Studie wurden auch die Routinedaten von 18.000 syrischen Flüchtlingen mit Daten von AOK-Versicherten ohne Migrationshintergrund verglichen. Das Ergebnis: Die Leistungsinanspruchnahme der Asylbewerber liegt derzeit in allen Bereichen, auch in der Psychiatrie, deutlich unter der Referenzpopulation.
Die Tatsache, dass syrische Flüchtlinge im Krankheitsfall Rat und Hilfe zu allererst bei Muttersprachlern suchen, die schon länger in Deutschland sind, ist für GeWINO-Geschäftsführer Professor Thomas P. Zahn ein wichtiges Signal: In den jeweiligen "Communities" müssten Landsleute gefunden werden, die sich qualifizieren und dann als Gesundheitslotsen die Aufgabe übernehmen, die Flüchtlinge an die Hand zu nehmen und den Weg durchs System zu weisen, sie etwa auf Präventionsangebote hinweisen.
Lotsen aus dem gleichen Kulturkreis
Das gleiche Prinzip gelte für die türkischen Einwanderer der ersten und zweiten Generation. Auch sie benötigten mehr Hilfe durch Landsleute. Bei der ersten Generation der heute im Schnitt 70-Jährigen fällt auf, dass die Pflegebedürftigen vor allem zu Hause durch Angehörige versorgt werden, ambulante Pflegedienste oder Tages- und Kurzzeitpflege kaum in Anspruch genommen werden.
Auch hier, so Zahn, müsste es Lotsen aus dem gleichen Kulturkreis geben, welche die Angehörigen über Entlastungsmöglichkeiten aufklären. Auch Präventionsangebote könnten auf diese Weise besser bekannt gemacht werden. Das sei etwa für die Türken der zweiten Generation, den heute 30- bis 60-Jährigen, wichtig. Sie nehmen mehr GKV-Leistungen in Anspruch als die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund.
Einen zweiten Baustein zur Integration ins Gesundheitswesen sehen die Studienautoren auch darin, Beschäftigten im Gesundheitsbereich mehr interkulturelle Kompetenz zu verschaffen. "Ärzte müssen in der Lage sein, mit der besonderen Lage bei Flüchtlingen umzugehen", sagt GeWINO-Geschäftsführer Zahn. Das gelte besonders in Gegenden, in denen Flüchtlinge nicht wie etwa in Berlin auf muttersprachliche Ärzte zurückgreifen können.
Die Studienautoren empfehlen, bei den neuen Zuwanderern nicht die gleichen Fehler zu machen wie bei den türkischen Migranten. Bei ihnen sei die Integration ins Gesundheitswesen erst in der dritten Generation gelungen. Erst in dieser Altersgruppe sei die Leistungsinanspruchnahme etwa gleich hoch wie bei den Nichtmigranten.
"Wenn die Integration der syrischen Zuwanderer nicht oder deutlich zeitverzögert gelingt, ist mit erheblichen Mehrkosten im Gesundheitswesen in den nächsten 20 Jahren und im Alter zu rechnen", heißt es in der Studie.
Das GeWINO kooperierte mit dem bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg und mit der bbw Hochschule Berlin.
aNiedergelassene Ärzte mit Sprachkenntnissen sind die erste Anlaufstelle
Forscher haben den Zugang von Migranten zum Gesundheitssystem untersucht – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen: Nicht Notfallambulanzen, sondern Praxen sind erste Ansprechpartner. Muttersprachler und englisch-sprechende Ärzte sind besonders gefragt.
Von Julia Frisch
Sprachbarriere: Vielerorts helfen Dolmetscher oder private Begleiter bei der Arzt-Patienten-Kommunikation.
© Wolfram Kastl / dpa / picture
Patienten mit Migrationshintergrund benötigen Gesundheitslotsen, Ärzte mehr interkulturelle Kompetenz. Nur so, lautet die Folgerung aus der zweiten Berliner Migrantenstudie, bestehe die Chance, diese Menschen ins Gesundheitswesen zu integrieren und später hohe Folgekosten zu vermeiden.
Im Unterschied zur ersten Migrantenstudie aus dem Jahr 2015 lag das Interesse der Forscher des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost diesmal nicht nur auf Zuwanderern, die in jüngerer Zeit nach Deutschland gekommen sind. Für die zweite Untersuchung wurde auch die Versorgungsentwicklung der türkischen Einwanderer betrachtet – und zwar aufgeteilt nach der ersten, zweiten und dritten Generation.
63 Prozent: "Keine Probleme im Gesundheitswesen"
Ein Interessenschwerpunkt, den die Forscher verfolgten, war nichtsdestotrotz: Wie finden sich die Flüchtlinge, die seit 2014 ihr Heimatland verließen und jetzt in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leben, im hiesigen Gesundheitswesen zurecht? 109 Migranten, hauptsächlich aus Syrien und mehrheitlich erst seit 2015 in Deutschland, wurden dazu in Berlin befragt. Rund 85 % der Teilnehmer hatten schon erste Erfahrungen mit Gesundheitseinrichtungen gemacht. Als häufigste Anlaufstelle im Krankheitsfall wurden niedergelassene Ärzte und Zahnärzte genannt, interessanterweise vor Apotheken und Krankenhäusern.
Für ein adäquates Arztgespräch sahen sich die Flüchtlinge allerdings noch nicht gerüstet, dafür seien ihre Deutschkenntnisse zu schlecht, fanden 93 % der Teilnehmer. Sie versuchen deshalb, muttersprachliche Ärzte aufzusuchen oder einen Begleiter mit Deutschkenntnissen zum Praxisbesuch mitzunehmen.
In den Augen der Flüchtlinge funktioniert das offenbar ganz gut: 63 % der Befragten gaben an, noch keine Probleme im Umgang mit dem Gesundheitswesen gehabt zu haben. Das lag daran, dass 27 % bei einem Landsmann in Behandlung waren, 23 % sich begleiten ließen und der Rest mit Englisch gut weiterkam.
22 % der befragten Migranten berichteten jedoch von Problemen: 10 % verstanden die Ratschläge des Arztes nicht, 5 % interpretierten sie falsch und in 5% der Fälle hatte der Doktor den Patienten nicht verstanden.
Für die Studie wurden auch die Routinedaten von 18.000 syrischen Flüchtlingen mit Daten von AOK-Versicherten ohne Migrationshintergrund verglichen. Das Ergebnis: Die Leistungsinanspruchnahme der Asylbewerber liegt derzeit in allen Bereichen, auch in der Psychiatrie, deutlich unter der Referenzpopulation.
Die Tatsache, dass syrische Flüchtlinge im Krankheitsfall Rat und Hilfe zu allererst bei Muttersprachlern suchen, die schon länger in Deutschland sind, ist für GeWINO-Geschäftsführer Professor Thomas P. Zahn ein wichtiges Signal: In den jeweiligen "Communities" müssten Landsleute gefunden werden, die sich qualifizieren und dann als Gesundheitslotsen die Aufgabe übernehmen, die Flüchtlinge an die Hand zu nehmen und den Weg durchs System zu weisen, sie etwa auf Präventionsangebote hinweisen.
Lotsen aus dem gleichen Kulturkreis
Das gleiche Prinzip gelte für die türkischen Einwanderer der ersten und zweiten Generation. Auch sie benötigten mehr Hilfe durch Landsleute. Bei der ersten Generation der heute im Schnitt 70-Jährigen fällt auf, dass die Pflegebedürftigen vor allem zu Hause durch Angehörige versorgt werden, ambulante Pflegedienste oder Tages- und Kurzzeitpflege kaum in Anspruch genommen werden.
Auch hier, so Zahn, müsste es Lotsen aus dem gleichen Kulturkreis geben, welche die Angehörigen über Entlastungsmöglichkeiten aufklären. Auch Präventionsangebote könnten auf diese Weise besser bekannt gemacht werden. Das sei etwa für die Türken der zweiten Generation, den heute 30- bis 60-Jährigen, wichtig. Sie nehmen mehr GKV-Leistungen in Anspruch als die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund.
Einen zweiten Baustein zur Integration ins Gesundheitswesen sehen die Studienautoren auch darin, Beschäftigten im Gesundheitsbereich mehr interkulturelle Kompetenz zu verschaffen. "Ärzte müssen in der Lage sein, mit der besonderen Lage bei Flüchtlingen umzugehen", sagt GeWINO-Geschäftsführer Zahn. Das gelte besonders in Gegenden, in denen Flüchtlinge nicht wie etwa in Berlin auf muttersprachliche Ärzte zurückgreifen können.
Die Studienautoren empfehlen, bei den neuen Zuwanderern nicht die gleichen Fehler zu machen wie bei den türkischen Migranten. Bei ihnen sei die Integration ins Gesundheitswesen erst in der dritten Generation gelungen. Erst in dieser Altersgruppe sei die Leistungsinanspruchnahme etwa gleich hoch wie bei den Nichtmigranten.
"Wenn die Integration der syrischen Zuwanderer nicht oder deutlich zeitverzögert gelingt, ist mit erheblichen Mehrkosten im Gesundheitswesen in den nächsten 20 Jahren und im Alter zu rechnen", heißt es in der Studie.
Das GeWINO kooperierte mit dem bbw Bildungswerder Wirtschaft in Berlin und Brandenburg und mit der bbw Hochschule Berlin.aste
t scheinen. Ein Einwanderungsgesetz könnte helfen, uns darüber klarzuwerden, wen wir hier in Deutschland haben wollen und was wir dafür tun wollen.

 

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